Pioniere der EAS – Max Brügger

Visionäre und Wegbereiter

Der EAS Pionier Max Brügger

Am 1. Februar 1936 wurde ich in Düdingen/FR geboren und war fliegerisch absolut unbelastet. Obwohl die Flugplätze Bern und Payerne aus heutiger Sicht gerade vor der Haustüre liegen, empfand ich damals diese fast mystischen Orte als unerreichbar fern. Schon seit meinem dritten Lebensjahr sind Flugzeuge – auch nur vom sicheren Boden aus betrachtet – das Faszinierendste und Grösste. Nach und nach wuchs vor allem durch Bücher und Hefte mein Wissen über Flugzeuge und Modelle. Schon bevor ich jemals ein Flugzeug aus der Nähe am Boden gesehen hatte, stand der Entschluss fest: “Ich will selbst ein Flugzeug bauen!”

Der erste Versuch erfolgte im Alter von acht Jahren und das Ergebnis war ein packpapierbezogenes Flugzeug von vier Metern Spannweite. Dann folgte eine Periode wo zuerst Segelflugmodelle und anschliessend Motorfesselflugzeuge gebaut wurden. Das waren für mich sehr lehrreiche Alternativen. Natürlich fehlte mir jeweils das Geld, und so reichte es nicht für einen ordentlichen Baukasten.

Die einzige Möglichkeit waren also Eigenbauten. Jetzt auf Distanz glaube ich, dass dies eigentlich zum Vorteile wurde, konnte ich doch sozusagen das “Eigenbauen” richtig üben. Ich zog Fesselflugmodelle den Segelflugzeugen vor, weil ich erstere immer sehen und mir vorstellen konnte, selbst darin zu sitzen. Dank der Steuerung konnte ich sogar die Landetechnik üben und ständig verbessern.

Im Alter von 12 Jahren konnte ich zum ersten Mal ein richtiges Flugzeug aus der Nähe sehen. Später wurde dann nur vier km von meinem Wohnort entfernt, in Fillistorf, ein Flugplatz erstellt. Damit konnte ich nun viel häufiger Flugzeuge sehen. Aber eben, bis dato hatte ich noch nie in einem Flugzeug gesessen. Trotzdem investierte ich mein erstes selbst verdientes Geld in einen Prototypen. Sieben Meter Spannweite hatte er, wog 220 kg und ein selbst modifizierter VW-Motor mit 25 PS sollte die Antriebskraft liefern. Zuerst musste die Maschine allerdings zum Flugplatz gebracht werden. Ein jüngerer Cousin wurde aufgeboten und buchstäblich in einer Nachtübung verlegten, respektive schleppten wir morgens um 3 Uhr den potentiellen Flieger zum Flugplatz.

Die Testflugphase war relativ kurz, nichtsdestotrotz gelangen mir mehrere Geradeausflüge von 1 bis 2 Metern Höhe und spannend war es allemal. Ein zu lange geratener Hüpfer beendete dann das Abenteuer und ich landete im angrenzenden Kartoffelacker. Mit 21 Jahren konnte ich endlich mit der Motorflugschulung beginnen, welche sich wegen Geldmangel über zwei Jahre hinzog. Nach der Familiengründung im Jahre 1961 wohnten wir in einem kleinen Block und da gehörte eine Garage von 6 auf 3.7 Meter dazu. Allerdings, oder respektive zum Glück, stand kein Fahrzeug drin. Beste Voraussetzungen also für einen Eigenbauer.

Nach nur 14 Monaten Bauzeit wurde 1964 mein erster COLIBRI gebaut. Zu dieser Zeit lernte ich auch Louis Cosandey kennen, welcher mit seiner Himmelslaus (Pous de ciel) in einem 5-km-Radius um den neu dazu gekommenen Flugplatz Ecuvillens fliegen durfte. Ich bemühte mich auch um so eine Bewilligung, wurde aber bitter enttäuscht. Das Gesuch – so vermute ich – wurde kaum geprüft, und auf jeden Fall wurde meine Maschine nicht einmal angeschaut.

Obwohl der RSA (Réseau de Sport de l’Air) schon lose bestand, wurden die Statuten durch das Luftamt (heute BAZL) erst 1965 angenommen. Endlich ging es ein wenig vorwärts: meine COLIBRI wurde als allererstes Eigenbauflugzeug unter der Bezeichnung “Experimental” zugelassen. Das machte mich sehr glücklich. Das hiess ja nicht weniger, als dass meine Arbeit – die Konstruktion, die Berechnungen, die Bauqualität – als lufttauglich anerkannt wurde.

Der Eigenbauervirus sass nun richtig, und 1970 flog die verbesserte COLIBRI MB-2 zum ersten mal. Der Appetit kommt mit dem Essen, und alle, welche schon selbst etwas gebaut haben, verstehen, dass es immer weiter gehen musste. Im Jahre 1977 folgte ein weiterer Prototyp. Es war die Metallkonstruktion MB-3. Das Raffinierte daran war, dass Tragflächen und Höhenleitwerk in nur einer Minute ohne Werkzeuge demontiert werden können.

Seit Mitte 1984 sind die Ultraleicht (UL) Flugzeuge in der Schweiz verboten. Trotz dieser Verbote baute ich in den 80-er und 90-er-Jahren mehrere ein- und zweisitzige ultraleichte Flieger. Die Hirondelle MB-8 entstand 1999 noch schnell als Zwischenspiel, ausgerüstet mit einem Motoguzzi Motor. Und weiter ging es auf der Flugzeugschiene.

Nach der Lehre als Möbelschreiner und dem Bauen der zwei COLIBIRS wurde ich als Flugzeugmechaniker angestellt. Nach fünf Jahren wurde ich lizenzierter Flugzeugmechaniker der Kategorien M und S. Den Experimentals bin ich aber immer treu geblieben. Ab 1966 nahm ich regelmässig an regionalen, nationalen und internationalen Eigenbauer Treffen in Frankreich, Deutschland und etwas 14 Mal in England teil. Natürlich freut es mich, dass meine Konstruktionen schon oft in einschlägigen Magazinen gezeigt wurden. Es wird wohl 1978 gewesen sein, als ich im Popular Flying Association (PFA) Magazin das Titelblatt zierte, und es macht sicher auch Freude, dass die COLIBRIS zahlreiche Nachbauer fanden.

Die Eigenbauer-Treffen in den früheren Jahren waren viel kleiner, als heute, und ich habe sie eben aufgrund der Kleine – als sehr familiär in Erinnerung. Während der Treffen wurde damals viel mehr geflogen, und so war es gang und gäbe, dass wir uns gegenseitig unserer Flugzeuge ausgeliehen haben. Diese Mentalität und mein Interesse für immer Neues, führten dazu, dass ich rund hundert verschiedenen Flugzeugtypen fliegen durfte. Im Ganzen habe ich 40 Erstflüge mit rund zwanzig verschiedenen Flugzeugtypen ausgeführt. Vier davon waren sogar mit Schwimmern ausgestattet. In meinen 46 Fliegerjahren war ich während 4600 Stunden in der Luft, etwas dreihundert davon auf Ultraleicht-Flugzeugen.

Max Brügger,
im Sommer 2003

Anmerkung: Max Brügger hat am Freitag 17. Jan 2014 seinen letzen Flug angetreten. Max, herzlichen Dank für Deine grossartige Pionierarbeit für die CH-Eigenbauszene. (lh)


Max Brügger in seinem Element


Pionier Max Brügger


Max Brügger unterwegs


Max Brügger in seiner HB-SPI


UL Hirondelle


UL Papillon


Colibri HB-YNQ – Erstflug am 30. April 2011